Hat der Kunde immer Recht?

Diese Situation kennt wohl jeder selbstständige Dienstleister insbesondere die unserer Zunft. Der Kunde erdreistet sich Widerworte gegen den höchst durchdachten, übelst schön gestalteteten marketingtechnischen Geniestreich zu haben, nein, er setzt sich zuweilen auch noch selbst hin und bastelt lustig vor sich hin. Richtig spannend wird das, wenn er Versatzstücke aus der vorangegengenen Designerarbeit herauslöst und diese höchst motiviert zu einem Erlebnis fragwürdiger Güte zusammen puzzelt.

Ja, da schägt dann das kreative Designerherz in rythmuslosen, nicht kontrollierbaren Zuckungen im Stile eines Wendler’schen Discofox…! Aber zu Recht?

Ich finde nein – unsere Intention sollte es sein, das Positive in der Kundenreaktion zu sehen. Der Kunde will uns nicht kleinmachen oder uns unsere Welt erklären. Nein, er scheint unzufrieden mit seinem IST-Zustand ohne es wirklich erklären zu können, oder er will einfach nur seine kreative Ader zeigen, innerlich wolhlwissend, das es dazu Beratung eines Profis bedarf – es ist schliesslich nicht sein Kerngeschäft und er hätte das Ganze ja gleich selbst erledigen können. Es gibt sicherlich noch mannigfaltige Ausprägungen und Beispiele dazu; wir sollten das einfach in solcherart Fällen entsprechend positiv interpretieren und dem Kunden die Beratung bieten, die er in diesem Moment auch benötigt.

Dies fängt schon damit an die Werke des Kunden ernsthaft zu analysieren und entsprechende Rückmeldung zu geben. Oft ist es so, das sich daraus ein überaus fruchtbarer Dialog mit gegenseitigem Gewinn ergibt. Denn eins darf man nie vergessen: der Kunde kennt sein Kerngeschäft besser als wir!

Der Kunde darf von uns aber auch ein ehrliches Wort erwarten. Es gibt immer eine Grenze, die man als Profi irgendwann ziehen muss – sei es aus ökonomischen oder kommunikativen Gründen. Der Kunde sollte dabei verstehen, daß er diese Grenze erreicht hat und das Vertrauensverhältnis in Negative kippen kann. Das wollen beide Seiten nicht, somit kann ein ehrliches Wort zur richtigen Zeit ein Projektretter für beide Seiten sein.

Professionelle Gestalter wandern immer auf dem subjektiven Grat zwischen Objektivität und Kundenwunsch, wir versuchen die Kommunikation daher möglichst bidirektional zu gestalten. Die Erfahrung hat gezeigt: Je mehr Vertrauen der Kunde in den Designer hat, umso eher lässt er von gewagten Eigenkreationen ab.

Nun, und sollte er sich trotz guter & richtiger Worte nicht abbringen lassen, … so kann man ihn nur gewähren lassen.

Am Ende des Tages zahlt er die Rechnung 😉

Ähnliche Beiträge